Schumann Quartett

Intro­du­zione. Der Moment, in dem man noch nichts weiß, die Augen und Ohren weit offen, nach Ori­en­tie­rung sucht. Am Anfang von Beet­ho­vens neun­tem Streich­quar­tett zum Bei­spiel. Ein unauf­ge­lös­ter Akkord nach dem ande­ren, und die Vier kos­ten den Moment aus, ver­schär­fen – extrem leise – die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit; redu­zie­ren alles Wis­sen auf das reine Jetzt. Das Schu­mann Quar­tett ist dort ange­kom­men, wo alles mög­lich ist, weil man auf Sicher­hei­ten ver­zich­tet. Das schließt auch die Zuhörer/​innen mit ein, die sich Abend für Abend auf alles gefasst machen müs­sen: „So wirk­lich ent­wi­ckelt sich ein Werk nur live“, sagen sie, „das ist the real thing, weil wir vor­her selbst nie wis­sen, was pas­siert. Spä­tes­tens auf der Bühne fällt jede Imi­ta­tion weg, man wird auto­ma­tisch ehr­lich zu sich selbst. Dann kann man in der Musik eine Ver­bin­dung mit dem Publi­kum her­stel­len, kom­mu­ni­zie­ren.“

Die Live-Situa­tion wird in naher Zukunft noch wei­ter auf­ge­la­den: Sabine Meyer, Mena­hem Press­ler und Albrecht Mayer wer­den Kon­zerte mit den Vie­ren geben. In der Spiel­zeit 2015/​2016 waren sie Resi­denz­quar­tett auf Schloss Ester­hazy, die Urauf­füh­rung eines Streich­quar­tetts von Helena Win­kel­man stand an, außer­dem: Kon­zerte in der Ton­halle Zürich, im Wie­ner Musik­ver­ein, Wig­more Hall und im Con­cert­ge­bouw Ams­ter­dam, eine Israel-Tour und in Washing­ton D.C. das Ame­rika-Debüt. Im Rah­men der zwei­jäh­ri­gen Resi­denz am Lin­coln Cen­ter fin­den ab der Sai­son 2016/​17 meh­rere Kon­zerte in New York City statt.

Seit fünf Jah­ren spie­len die drei im Rhein­land groß­ge­wor­de­nen Brü­der Mark, Erik und Ken Schu­mann zusam­men. 2012 ist die in Tal­linn gebo­rene und in Karls­ruhe auf­ge­wach­sene Liisa Ran­dalu als Brat­schis­tin dazu gekom­men. Immer wie­der bemer­ken Außen­ste­hende, wie stark die Bin­dung zwi­schen ihnen ist. Die Vier genie­ßen die non­ver­bale Kom­mu­ni­ka­tion, „ein Blick, und ich weiß, wie er/​sie die Musik in dem Moment spie­len möchte“. Unter­schied­li­che Per­sön­lich­kei­ten tre­ten deut­li­cher her­vor, gleich­zei­tig ent­steht in jedem musi­ka­li­schen Werk ein gemein­sa­mer Raum, fin­det eine geis­tige Meta­mor­phose statt. Viel­leicht sind diese Offen­heit, die Neu­gierde, die ent­schei­den­den Ein­flüsse von Leh­rern wie Eber­hard Feltz oder Part­nern wie Mena­hem Press­ler, mit dem sie 2016 eine CD auf­neh­men. Ver­öf­fent­li­chun­gen, das Stu­dium beim Alban Berg Quar­tett, die lang­jäh­rige Resi­dency beim Robert-Schu­mann-Saal in Düs­sel­dorf, der Gewinn des renom­mier­ten Con­cours de Bor­deaux, Preise, Leh­rer, musi­ka­li­sche Part­ner – gerne wer­den Stu­fen kon­stru­iert um her­zu­lei­ten, warum viele das Schu­mann Quar­tett heute zu den bes­ten über­haupt zäh­len.

Die vier fas­sen sol­che Daten eher als Begeg­nun­gen auf, als Bestä­ti­gung für ihren Weg. Sie emp­fin­den die musi­ka­li­sche Ent­wick­lung der letz­ten zwei Jahre als Quan­ten­sprung. „Wir haben Lust dar­auf, es bis zum Äußers­ten zu trei­ben, zu pro­bie­ren, wie die Span­nung und unsere gemein­same Spon­ta­nei­tät trägt“, sagt Ken Schu­mann, der mitt­lere der drei Schu­mann Brü­der. Ver­su­che, ihnen einen Klang, eine Posi­tion, eine Spiel­weise zuzu­ord­nen, hebeln sie char­mant aus. Des­we­gen freuen sie sich über ihre zweite CD, Mozart – Ives – Verdi. Der eine „ver­geht schier in Schön­heit“ (DIE ZEIT) bei Mozart, der andere (Deutsch­land­funk) sieht in ihrer Inter­pre­ta­tion des zweite Quar­tetts von Charles Ives, „zer­ris­sen, vol­ler Anspie­lun­gen und Zitate […] ein neues Bra­vour­stück im Reper­toire des explo­si­ven Ensem­bles“.

Aus­rei­chend Raum für Aben­teuer, also.

Kon­zert: 15.10.2017 /​ Schul­kon­zert: 16.10.2017
Web­site: www.schumannquartett.de